Heisshunger und Schlafmangel

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Viele Menschen bemerken, dass sie am Tag nach einer Nacht mit schlechtem Schlaf verstärkt Hunger oder Appetit auf ungesundes Essen haben. Aber wie kommt es dazu, dass wir an manchen Tagen aufwachen und ein besonders großes Bedürfnis nach einem üppigen Frühstück haben?

Wie hängen Heisshunger und Schlafmangel zusammen?

Um die Gründe für Heißhungerattacken nach einer weniger erholsamen Nacht zu begreifen, müssen wir zunächst verstehen, wie Schlaf und Hunger zusammenhängen. Hierbei spielen die Hormone Ghrelin und Leptin eine entscheidende Rolle. Bei diesen beiden Hormonen handelt es sich um Botenstoffe des Körpers, welche an bestimmten Stellen im Gehirn andocken (sog. Rezeptoren). Die Rezeptoren für diese Hormone befinden sich im Hypothalamus. Diese Region im Gehirn reguliert das Hungergefühl und den zirkadianen Rhythmus.

Was ist der zirkadiane Rhythmus?

 

Unter dem zirkadianen Rhythmus versteht man, die Fähigkeit des Organismus seine physiologischen Vorgänge auf eine Periode von etwa 24 Stunden zu synchronisieren. Der wichtigste zirkadiane Rhythmus ist der Schlaf-Wach-Rhythmus.

Das Bild stellt den Zusammenhang zwischen den Hormonen Ghrelin und Leptin im Schlaf-Wach-Rhythmus dar.

Das Hormon Ghrelin sorgt dafür, dass wir ein Hungergefühl verspüren und Fett weniger schnell verbrannt wird. Ghrelin stabilisiert außerdem unseren Wachzustand, sodass wir bei einem zu hohen Hormonspiegel nicht einschlafen können. Sein Gegenspieler ist das Leptin. Leptin unterdrückt unseren Appetit und lässt uns ein Sättigungsgefühl spüren. Außerdem sorgt es dafür, dass der Körper mehr Energie aus den eigenen Speichern gewinnt, beispielsweise durch die Verbrennung von Fettdepots. Ohne das Hormon Leptin wäre es nicht möglich, eine Nacht durchzuschlafen, da das Hungergefühl uns wecken würde. Hunger ist für unseren Körper evolutionsbeding ein absoluter Stresszustand.

Wenn Menschen nicht schlafen können steigt das Ghrelin und das Leptin sinkt. Das bedeutet: wenn wir nachts länger wach liegen, steigt unser Appetitgefühl. Es fehlt die ausgleichende Wirkung des Leptin.

Laut einer Studie ist die Konzentration des Ghrelin nach Schlafentzug erhöht, im Vergleich zu einem gewohnheitsmäßigen Schlaf. Die Teilnehmer der Studie waren nach einer „schlechten“ Nacht eher bereit mehr Geld für Nahrungsmittel auszugeben als nach einem erholsamen Schlaf. Außerdem ist nach einer Nacht mit Schlafmangel die Aktivität der Amygdala und des Hypothalamus, als eine Reaktion auf Bilder von Essen, erhöht. Die Amygdala ist u.a. Teil des Belohnungssystems des Gehirns. Dies bedeutet, dass nach einer schlechten Nacht auch das Belohnungssystems durch Nahrung stimuliert wird. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass nicht allein hormonelle Mechanismen für Heißhungerattacken nach schlechtem Schlaf verantwortlich sind. Auch hedonische, also subjektive Gefühle, spielen eine große Rolle (Rihm, Menz, Schultz et.al., 2019).

Quelle: Rihm, J., Menz, M., Schultz, H. et.al. (2019). Sleep Depreivation Selectively Upregulates an Amygdala-Hypothalamic Circuit Involved in Food Reward. In The Journal of Neuroscience. (S. 888 – 899)

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